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Artikel aus dem Werder-Magazin, März 2013

Werder-Liebhaber mit 'Latzwart' 

Werder-Enklave in Süddeutschland Gut 600 Kilometer Anreise müssen die Mitglieder der 'Weser Bomber' aus Bopfingen auf sich nehmen, um den SV Werder im Weser-Stadion zu erleben.

 
Über die Grenzen Bremens, ja sogar Deutschlands hinaus halten mehr als 600 Werder-Fan-Clubs die grün-weiße Fahne hoch. Heute: die 'Weser Bomber' aus Bopfingen.

Die Historie


Sucht man Bopfingen auf der Landkarte, so fühlt man sich spontan an einen 'Asterix und Obelix'-Comic erinnert. Denn die Kleinstadt im östlichsten Winkel Baden-Württembergs liegt inmitten eines Dreiecks aus Stuttgart, Nürnberg und München, somit sind die 'Weser Bomber' ähnlich von Bundesligisten eingekreist wie die widerspenstigen Gallier von den Römern. Wer allerdings glaubt, dass der Fan-Club auf Initiative des gebürtigen Nienburgers und heutigen ersten Vorsitzenden Boris Jakob entstanden ist, der irrt. "Unsere drei Gründer hatten 1996 einfach keine Lust mehr auf VfB- und FC-Bayern-Einheitsbrei", erklärt Jakob. "Sie wollten lieber einen 'Charakterverein' unterstützen." Dennoch: Sowohl zu Stuttgart- als auch zu Bayern-Fans bestehen intensive Fan-Freundschaften.

Die Mitglieder


Unter den 23 Mitgliedern befinden sich gleich mehrere Pärchen. Interner Nachwuchs wird quasi ab Geburt 'auf Werder geeicht' – folgerichtig verfügen die 'Weser Bomber' über einen eigenen 'Latzwart'. Längst hat sich der Fan-Club zu mehr als einer Interessengemeinschaft entwickelt, die Atmosphäre ist freundschaftlich. Für einen reibungslosen Ablauf von Sitzungen, Fahrten und Ticketbestellungen sorgen neben Präsident Jakob vor allem Stefan Schönmetz (zweiter Vorsitzender), 'Matze' Wörle (ehemaliger Präsident) und Kassenwart Olli Nährich. Da die Bopfinger mehrere ehemalige Landesliga-Kicker in ihren Reihen haben, bilden sie auch auf dem Fußballplatz eine schlagkräftige Truppe. "Über unsere Bilanz will ich lieber nicht sprechen", schmunzelt Jakob. Trotzdem sind die 'Weser Bomber' regelmäßige Teilnehmer an Hobby- und Fan-Club- Turnieren.

Das Club-Leben


Die Gaststätte 'Wilhelmshöhe' ist die zweite Heimat des Fan-Clubs, alle sechs Wochen findet hier eine Sitzung samt anschließendem Kegelabend statt. Einziges Manko: Wirt Joschko ist eingefleischter Fan des FC Bayern, die Spiele 'ihrer' Grün-Weißen verfolgen die Bopfinger daher meist in privatem Rahmen. Tradition hat neben einem jährlichen Grillfest auch der eigene Stand auf dem städtischen Nikolausmarkt. Mit dem Verkaufserlös der Heißgetränke wird die Fan-Club-Kasse aufgebessert, so dass der nächste Ausflug ins geliebte Weser-Stadion gesichert ist.

Die Fahrten


Wenn die 'Weser Bomber' die gut 600 Kilometer lange Anfahrt nach Bremen auf sich nehmen, dann meist kurz vor der Winterpause. Um den SV Werder trotzdem so oft wie möglich zu unterstützen, sind die Gastspiele im Süden der Republik natürlich Pflicht – egal, ob in München, Stuttgart und Nürnberg oder Augsburg, Freiburg und Hoffenheim. Auch international zeigten die 'Weser Bomber' bereits Flagge: Neben dem Europa-League-Endspiel in Istanbul und der 'Stamford Bridge' des FC Chelsea hat dabei besonders Barcelonas 'Camp Nou' bleibenden Eindruck hinterlassen.

Die Highlights


"Jede unserer Fahrten ist ein Highlight", sagt Boris Jakob. Doch manches bleibt besonders in Erinnerung: So waren die Bopfinger nicht nur beim letzten Heimspiel der Saison 2003/2004 im Weser-Stadion, sondern auch live dabei, als der SV Werder im Berliner Olympiastadion das 'Double' perfekt machte. Den 5:2-Sieg bei Bayern München erlebten die 'Weser-Bomber' gemeinsam mit einem befreundeten FCB-Fan-Club, was den Auswärtstriumph noch versüßte.
Jörn Lange